MEZZANINE-KAPITAL
MEZZANINE-FINANZIERUNG

Mezzanine-Kapital / Mezzanine-Finanzierung
Mezzanine-Kapital oder Mezzanine-Finanzierungen (italienisch mezzo ‚halb‘) beschreibt als Sammelbegriff Finanzierungsformen, die in ihren rechtlichen und wirtschaftlichen Ausgestaltungen eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital darstellen. Dabei wird in der klassischen Variante einem Unternehmen wirtschaftliches oder bilanzielles Eigenkapital zugeführt, ohne den Kapitalgebern Stimm- oder Einflussnahmerechte bzw. Residualansprüche wie den echten Gesellschaftern zu gewähren.
Arten der Mezzanine-Finanzierung
Mezzanine-Finanzierungsarten sind eine Mischung aus Eigenkapital- und Fremdkapitalfunktionen. Mezzanine-Kapital kann eigenkapitalähnlich (sog. Equity Mezzanine) in Form von Genussrechten, wertpapierverbrieften Genussscheinen oder stillen Beteiligungen gegeben werden. Möglich sind darüber hinaus Wandel- und Optionsanleihen. Mezzanine-Kapital, das in Form von nachrangigen partiarischen Darlehen oder Gesellschafterdarlehen gewährt wird, besitzt hingegen Fremdkapitalcharakter und ist in der Regel bilanziell als Verbindlichkeit zu erfassen (sog. Debt Mezzanine). Die jeweilige Vertragsausgestaltung definiert, ob das Mezzanine-Kapital Eigenkapital- oder fremdkapitalähnlich ist.
Bedeutung und Entwicklung von Mezzanine-Kapital / Mezzanine-Finanzierung
Mezzanine-Finanzierungen gewannen vor allem durch die immer vorsichtigere Kreditvergabe der Banken durch Basel II und Basel III insbesondere bei mittelständischen Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Das höher zu verzinsende Mezzanine wird idealerweise ergänzt durch niedriger zu verzinsende klassische Kredite.
Klassische Fremdkapitalgeber, wie Banken, rechnen das Mezzanine in der Regel zumeist dem wirtschaftlichen Eigenkapital zu, da es die potenziell verfügbaren Sicherheiten nicht schmälert. Dies hat zur Folge, dass nach Aufnahme von Mezzanine-Kapital die Fremdfinanzierung erhöht werden kann, was wiederum eine günstigere Mischfinanzierung erlaubt.
Flexible Ausgestaltungsmöglichkeiten durch Mezzanine-Kapital / Mezzanine-Finanzierung
Die Ausgestaltungsmöglichkeiten von Mezzanine-Kapital sind so variabel, dass flexible Finanzierungslösungen möglich sind, insbesondere in Bezug auf Laufzeiten (in der Regel zwischen 3 und 7 Jahren), Kündigungsmöglichkeiten (z.B. wenn der Mezzanine-Nehmer in der Folge eine vorher definierte Eigenkapitalquote unterschreitet), Verzinsungs-, Gewinn- und Verlustregelungen oder Rückzahlungsmodalitäten. Jedoch entscheiden gerade diese Punkte, wie das investierte Kapital haftungs- und steuerrechtlich betrachtet wird (Eigen- oder Fremdkapital). Verbriefte, an einem Publikumsmarkt (Börse) handelbare Wertpapiere (in Deutschland z.B. Genussscheine) unterliegen der Prospekthaftung und der Genehmigung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
Kapitalkosten und Liquidität bei Mezzanine-Kapital / Mezzanine-Finanzierung
Die Kapitalkosten einer Mezzanine-Finanzierung bestehen in erster Linie aus Zinsen, deren Höhe fest vereinbart oder vom Gewinn oder Umsatz abhängig ist. Damit die Liquidität während der Laufzeit so wenig wie möglich belastet wird, gestalten Mezzanine-Kapitalgeber Mezzanine-Finanzierungen oft endfällig und kapitalisieren einen Teil der Zinsen. Als Bestandteil der Erfolgsbeteiligung kommt bisweilen ein sogenannter Equity Kicker in Form eines Bezugs- oder Wandlungsrecht zum Einsatz.
Planung und Umsetzung
Wenn Ihr Unternehmen Mezzanine-Kapital aufnehmen möchte, ist dies normalerweise mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden. Es bedarf einer eingehenden Analyse und Planung, um den idealen Mezzanine-Kapitalgeber zu identifizieren. Zudem gestaltet sich auch das Einholen und Vergleichen von Angeboten bei ca. 233 Mezzanine-Kapitalgebern auf dem Markt oftmals als sehr aufwendig.
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Vorteile und Nachteile von Mezzanine-Kapital
Mezzanine-Kapital bietet Unternehmen zahlreiche Vorteile, insbesondere in der Wachstumsfinanzierung und bei Restrukturierungen. Durch den Eigenkapitalcharakter von Mezzanine-Finanzierungen kann die Eigenkapitalquote verbessert und somit die Bonität des Unternehmens gestärkt werden. Dies kann wiederum die Verhandlungsposition gegenüber anderen Kapitalgebern verbessern und weitere Fremdfinanzierungen erleichtern.
Jedoch sind auch Nachteile zu beachten. Mezzanine-Kapital ist oft teurer als klassische Fremdfinanzierungen, da die Kapitalgeber ein höheres Risiko eingehen und dementsprechend höhere Zinsen verlangen. Zudem können die Vertragsbedingungen komplex sein und eine umfangreiche rechtliche und finanzielle Beratung erfordern.
Mezzanine-Kapital in der Praxis
In der Praxis kommt Mezzanine-Kapital häufig in Wachstumsphasen von Unternehmen zum Einsatz, etwa bei Expansionen, Übernahmen oder größeren Investitionsprojekten. Auch in Krisenzeiten, wenn traditionelle Finanzierungsmöglichkeiten eingeschränkt sind, kann Mezzanine-Kapital eine wichtige Rolle spielen. Es bietet eine flexible Finanzierungslösung, die individuell an die Bedürfnisse des Unternehmens angepasst werden kann.
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